Hannes Schürer ist von der Weltmeisterschaft zurückgekehrt – im Gepäck viel Erfahrung, aber auch eine Niederlage, die ihm noch in den Knochen steckt. Dabei hatte er in der ersten Runde ein gutes Los erwischt und traf auf einen italienischen Gegner. Doch irgendwie wollte es nicht funktionieren.
Während der Erwärmung hatte sich Hannes noch gut und fit gefühlt. Doch als es im Kampf darauf ankam, fühlte sich plötzlich alles schwer an – die Arme, der ganze Körper. Die Spritzigkeit fehlte, und das war auch im Kampf deutlich zu sehen. Es fehlte jene Bissigkeit, jener unbändige Wille zu gewinnen, der Hannes eigentlich auszeichnet – dieses „Ich will hier gewinnen“, das er in diesem Jahr bereits zweimal unter Beweis gestellt hatte: bei der Deutschen U18-Meisterschaft im Frühjahr in Leipzig, wo er Zweiter wurde, und beim European Cup in Teplice. Dass genau diese Kampfeslust bei der WM fehlte, ist wohl auch der Grund für die Niederlage – und macht sie umso bedauerlicher, weiß man doch, dass Hannes zu diesem Kämpfen fähig ist.
Das ist einerseits schade. Andererseits war Hannes einer von nur zwei Männern, die überhaupt für die WM nominiert wurden. Und er hatte in seinem letzten U18-Jahr die Chance, bei beiden Höhepunkten der Saison anzutreten – Europameisterschaft und Weltmeisterschaft. Das allein ist eine Leistung, die Anerkennung verdient, auch wenn es am Ende nicht geklappt hat.
Trotz der Enttäuschung fand Hannes nach dem Wettkampf klare Worte des Danks an seine Trainingsgruppe zu Hause. Er sei sehr glücklich und froh darüber, wie sehr sie hinter ihm stünden, schrieb er, und dass ihre Unterstützung für ihn keine Selbstverständlichkeit sei. Sein Blick richtet sich bereits nach vorn:
„Ich werde in Zukunft noch härter arbeiten und alles geben, um es beim nächsten Mal besser zu machen.“
Zugleich gilt: Das Kadettenjahr ist nicht entscheidend für den weiteren Weg. Wichtig werden die Junioren- und die Seniorenjahre. Dass Hannes irgendwann zur Weltspitze gehören könnte, liegt durchaus im Bereich des Möglichen – doch dafür braucht es noch einige Jahre. Gerade bei den Erwachsenen liegt der Leistungshöhepunkt oft erst bei etwa 25 Jahren. Bis dahin liegen vor Hannes noch sieben lange, anstrengende Jahre. Die Niederlagen bei EM und WM sind also weniger als Rückschlag, sondern vor allem als wertvolle Erfahrung zu verstehen.
Im Herbst geht es für Hannes für ein paar Wochen zum Trainingslager nach Japan – ins Mutterland des Judo. Eine Reise, die anstrengend, aber auch besonders ist, und auf die er sich schon freut.
Nächstes Jahr beginnt für Hannes das erste Jahr im Juniorenbereich – ein neuer Abschnitt mit neuen Herausforderungen. Zunächst stehen einige Monate Aufbautraining an. Wahrscheinlich wird Hannes dabei auch die Gewichtsklasse wechseln, was zusätzlichen Kraftaufbau bedeutet.
Ein aufregendes Jahr 2026 geht damit zu Ende: mit einer Silbermedaille bei der Deutschen Meisterschaft und dem IT Bremen, der Bronzemedaille beim Cadet European Cup in Teplice sowie den wertvollen Erfahrungen bei der Europa- und Weltmeisterschaft.
Letztes Update: 24. August 2026