Deutsche Judo-Meisterschaften U18 in Leipzig boten die große Bühne – und Hannes Schürer lieferte. Der 16-jährige Sportgymnasiast von den Leipziger Sportlöwen sicherte sich in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm die Silbermedaille und setzte damit ein starkes Zeichen in seinem letzten Jahr bei den Kadeten.
In den vergangenen Jahren hatte ihn jeweils kurz vor den nationalen Titelkämpfen eine Verletzung gestoppt. Die Deutsche Meisterschaft blieb ihm bislang verwehrt. 2026 war die letzte Chance auf Edelmetall in dieser Altersklasse – entsprechend hoch war der Druck. Hinzu kam die besondere Atmosphäre in der Heimatstadt. Familie, Präsidium, Trainerteam sowie zahlreiche Nachwuchssportler aus U13 und U15 unterstützten ihn von den Rängen.
Der ehrgeizige Leipziger präsentierte sich vom ersten Kampf an hochkonzentriert. Vier Begegnungen auf dem Weg ins Finale, vier vorzeitige Siege mit Ippon. Technisch variabel, taktisch diszipliniert, im Stand wie im Boden dominant. Besonders beeindruckend war die Konsequenz im Übergang vom Stand in die Bodenarbeit. Gelang die Entscheidung nicht sofort im Stand, setzte er im Boden kompromisslos nach, erhöhte permanent den Druck und zwang seine Gegner zu Fehlern. Diese Mischung aus offensiver Entschlossenheit und kontrollierter Bodenarbeit machte ihn an diesem Tag nahezu unaufhaltsam.
Im Finale wartete mit Ishan Dzhemaldinov von der Judoschule Kano Bremerhaven ein starker Gegner. Es war der letzte Finalkampf des ersten Blocks – die Aufmerksamkeit in der Halle entsprechend groß.
Hannes eröffnete engagiert und setzte früh einen starken Angriff, blieb jedoch ohne Wertung. Kurz darauf geriet er durch einen schnellen Gegenangriff in Rückstand. Ein weiterer Uchi-mata wurde mit Waza-ari bewertet. Als er sich im Bodenkampf aufrichten wollte, wurde er überdreht – der zweite Waza-ari beendete das Finale. Der Traum von Gold war geplatzt.
Die Enttäuschung war sichtbar, doch ebenso deutlich war der Respekt in der Halle. Applaus begleitete den Finalisten von der Matte. Landestrainer Frederik Jäde nahm ihn in Empfang. Die Bewertung fiel eindeutig aus: ein bärenstarker Auftritt mit vier dominanten Siegen und dem klaren Nachweis, dass Hannes zu den besten deutschen Athleten seiner Gewichtsklasse gehört.
Neben Hannes war mit Nazar Hots ein weiterer Sportler der Leipziger Sportlöwen am Start. Der Athlet in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm zeigte eine engagierte Leistung und kämpfte sich nach einer Niederlage mit einem starken Seoi-nage-Sieg in der Trostrunde zurück ins Turnier. Im anschließenden Duell gegen Georgiy Lutz vom Judosportverein Speyer unterlag er im Golden Score denkbar knapp. Besonders bemerkenswert: Nazar verlor gegen den späteren Bronzemedaillengewinner erst in der Verlängerung – ein klares Zeichen dafür, welches Potenzial in ihm steckt. Für eine Medaille reichte es diesmal nicht, doch die Leistung bestätigt seine Perspektive auf nationaler Ebene.
Für die Leipziger Sportlöwen hat diese Silbermedaille besondere Bedeutung. Nach mehreren Jahren ohne Podestplatz bei Deutschen Meisterschaften steht wieder ein Athlet aus den eigenen Reihen im nationalen Finale – die letzte Medaille (Bronze) hatte Michelle Hofmann im Jahr 2018 gewonnen.
Der Erfolg ist das Resultat einer klaren und konsequent aufgebauten Struktur: eine herausragende Trainingsgruppe als stabiles Fundament, leistungsorientierte Gruppen für ambitionierte Talente sowie motivierte und engagierte Trainerinnen und Trainer, die diesen Weg täglich mit hoher Professionalität begleiten. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit dem Landesleistungszentrum und dem Judo-Verband Sachsen. Besonders die gezielte Spezialisierung im U13- und U15-Bereich, die wir in den vergangenen Jahren aufgebaut und systematisch weiterentwickelt haben, zahlt sich zunehmend aus. Dieser Erfolg ist keine Eintagsfliege, sondern Ausdruck eines tragfähigen Konzepts – mit dem klaren Anspruch, in den kommenden Jahren regelmäßig Sportlerinnen und Sportler hervorzubringen, die bei Deutschen Meisterschaften um Medaillen kämpfen.
Hannes Schürer ist ein sichtbares Beispiel für diesen Weg. Für die jungen Sportlerinnen und Sportler auf der Tribüne war dieser Tag mehr als ein Finale – er war ein Beleg dafür, was möglich ist.
Letztes Update: 1. März 2026